Aus den Bergen kam ich in die Ebene, und dann standen sie plötzlich am Horizont: Türme aus Glas und Stahl, direkt am Wasser. Chicago ist die erste Stadt auf dieser Reise, die mich beim Ankommen sprachlos gemacht hat.
Ich hatte mir eine laute, graue Großstadt vorgestellt. Stattdessen fand ich eine Stadt am Wasser, mit Stränden am Michigansee und einem Fluss, der mitten durch die Hochhäuser fließt. Ich glaube, ich habe die ersten zehn Minuten nur nach oben geschaut.
Mit dem Boot zwischen den Türmen
Am besten sieht man Chicago vom Wasser aus. Ich bin in ein kleines Boot gestiegen und den Chicago River hinaufgefahren – links und rechts Wolkenkratzer, so hoch, dass man den Himmel nur noch als schmalen Streifen sieht.
Unter den alten Brücken wurde es kurz dunkel und kühl, dann öffnete sich der Blick wieder. Ein Architekt an Bord erzählte, welches Gebäude wann gebaut wurde und warum. Ich habe nicht alles behalten – aber das Gefühl schon.
Auf dem Glasboden über der Stadt
Dann wollte ich es genau umgekehrt: von ganz oben nach unten schauen. Im Skydeck gibt es Balkone aus Glas, die aus dem Hochhaus herausragen. Boden aus Glas. Wände aus Glas. Und darunter: 400 Meter Nichts.
Ich gebe zu, der erste Schritt hat gedauert. Mein Kopf wusste, dass es hält – meine Füße nicht. Als ich dann draußen stand und die ganze Stadt unter mir lag bis zum See hinaus, war das eines der aufregendsten Gefühle der ganzen Reise. 😄
Ein Foto, das mich überrascht hat
Abends bin ich einfach durch die Straßen gelaufen. Die Sonne stand tief, und in den Glasfassaden spiegelte sich alles: die Autos, die Laternen, der Himmel – und ich mittendrin. Ich habe die Kamera gehoben und mein eigenes Spiegelbild fotografiert, dreifach, viermal, je nachdem wie man stand.
Manchmal sind es nicht die berühmten Orte, die hängen bleiben, sondern so ein Moment auf dem Gehweg.
Waschtag mit Aussicht
Nach Wochen unterwegs war die Wäsche dran. Also: Waschsalon. Ich saß mit einem Kaffee auf einer der Maschinen, draußen leuchtete die Reklame des Chicago Theatre, und ringsum brummten die Trommeln.
Klingt unspektakulär – war aber einer meiner Lieblingsmomente. Zwischen all den großen Sehenswürdigkeiten tut so eine ganz normale Stunde richtig gut.
Und dann kam der Regen
Am letzten Abend erwischte mich ein Wolkenbruch, wie ich ihn selten erlebt habe. Innerhalb von Sekunden war die Straße ein Spiegel aus Neonlicht, und mein Schirm klappte im Wind einfach um.
Ich stand da, klatschnass, mit einem kaputten Schirm in der Hand – und musste so lachen, dass mir die Tränen kamen. Ein paar Leute im Hauseingang haben mitgelacht. Das war Chicago für mich: Es kommt anders als geplant, und genau das macht es schön. ♥
Weiter nach Osten
Jetzt geht es an die Ostküste. New York wartet – das Ende meiner großen Fahrt quer durch die USA. Von dort legt dann das Schiff ab.
Chicago, du warst hoch, nass und wunderbar. Danke fürs Lachen im Regen! ♥
— Bea ♥